Orgel


5
Jul 10

ORGAN²/ASLSP

Ich finde diesen bewe­gen­den Tag ja eben­falls ganz großar­tig, eher aber mit einem lachen­den Augen und an so manchen Sketch von Bade­salz erin­nert. Die Rede ist von einer Kirche (Frevel, es ist der Hal­ber­städter Dom) in Hal­ber­stadt, die ein exper­i­mentelles Musik­stück von John Cage aufführt.

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Der Name des Stückes lautet ORGAN²/ASLSP (ein Musik­stück für Orgel) und bedeutet aus­geschrieben: As Slow As Pos­si­ble — So langsam wie möglich. Cage hatte es ursprünglich 1985 für Piano kom­poniert, schrieb es jedoch 1987 für den Organ­is­ten Gerd Zacher für Orgel um, welcher für die Urauf­führung 1989 in Metz 29 Minuten brauchte. Das Stück wurde von John Cage mit­tels eines Zufall­spro­gramms mit dem Com­puter erstellt. Aktueller Grund zur Freude ist aber, dass die Auf­führung des acht Seiten lan­gen Stückes in Hal­ber­stadt seinem Namen alle Ehre macht, denn ein Durch­lauf wird 639 Jahre dauern. Neun Jahre läuft das Stück nun bere­its und heute ist wieder mal ein Ton gewech­selt wor­den. Eine ehe­ma­lige Mitar­beit­ern Cages hatte die ehren­volle Auf­gabe, ein Stück Orgelpfeife auszu­tauschen, um so den Ton­wech­sel zu vollführen. Die Spiel­d­auer ergab sich aus der Dif­ferenz des Ein­baus der alten (nicht erhal­te­nen) Domorgel von 1361 und dem (eigentlich vorge­se­henen, aber nicht einge­hal­te­nen) Auf­führungs­be­ginn im Jahr 2000. Der Bogen spannt sich also von 1361 über 2000 nach 2639. Das Werk wird jedoch auf­grund der Verzögerung erst seit dem 5. Sep­tem­ber 2001 tat­säch­lich aufgeführt.

Noch großar­tiger finde ich, dass das Stück mit einer Ruhep­ause beginnt, die 1,5 Jahre dauerte :-) Endgeil. Und die meinen das ernst. Das Ton­wech­sel­ereig­nis wird auch tat­säch­lich von Men­schen besucht die einen Unter­schied im Klang erken­nen und sich darüber freuen. Großar­tig.

Wirk­lich gut aber finde ich die Idee dahin­ter, denn, in der heuti­gen, schnell wech­sel­nden Zeit in der keiner mehr überhaupt wirk­lich Zeit für Dinge hat, ist dieses ultra­lange Musik­stück doch eine schöne Per­si­flage der Schnellebigkeiten. Con­tinue reading →