Ich finde diesen bewegenden Tag ja ebenfalls ganz großartig, eher aber mit einem lachenden Augen und an so manchen Sketch von Badesalz erinnert. Die Rede ist von einer Kirche (Frevel, es ist der Halberstädter Dom) in Halberstadt, die ein experimentelles Musikstück von John Cage aufführt.
Der Name des Stückes lautet ORGAN²/ASLSP (ein Musikstück für Orgel) und bedeutet ausgeschrieben: As Slow As Possible — So langsam wie möglich. Cage hatte es ursprünglich 1985 für Piano komponiert, schrieb es jedoch 1987 für den Organisten Gerd Zacher für Orgel um, welcher für die Uraufführung 1989 in Metz 29 Minuten brauchte. Das Stück wurde von John Cage mittels eines Zufallsprogramms mit dem Computer erstellt. Aktueller Grund zur Freude ist aber, dass die Aufführung des acht Seiten langen Stückes in Halberstadt seinem Namen alle Ehre macht, denn ein Durchlauf wird 639 Jahre dauern. Neun Jahre läuft das Stück nun bereits und heute ist wieder mal ein Ton gewechselt worden. Eine ehemalige Mitarbeitern Cages hatte die ehrenvolle Aufgabe, ein Stück Orgelpfeife auszutauschen, um so den Tonwechsel zu vollführen. Die Spieldauer ergab sich aus der Differenz des Einbaus der alten (nicht erhaltenen) Domorgel von 1361 und dem (eigentlich vorgesehenen, aber nicht eingehaltenen) Aufführungsbeginn im Jahr 2000. Der Bogen spannt sich also von 1361 über 2000 nach 2639. Das Werk wird jedoch aufgrund der Verzögerung erst seit dem 5. September 2001 tatsächlich aufgeführt.Noch großartiger finde ich, dass das Stück mit einer Ruhepause beginnt, die 1,5 Jahre dauerte
Endgeil. Und die meinen das ernst. Das Tonwechselereignis wird auch tatsächlich von Menschen besucht die einen Unterschied im Klang erkennen und sich darüber freuen. Großartig.
Wirklich gut aber finde ich die Idee dahinter, denn, in der heutigen, schnell wechselnden Zeit in der keiner mehr überhaupt wirklich Zeit für Dinge hat, ist dieses ultralange Musikstück doch eine schöne Persiflage der Schnellebigkeiten. Continue reading →


