Mastering of Sound

Man mag oft denken, in Sachen Sound und Musicproducing geht es nicht mehr so richtig voran, heutzutage, in der Welt des Internets und so, in der schlechte MP3 für so ziemlich 90% der Konsumenten das Maß der Dinge darstellen, also bezogen auf digitales Publishing von selbigem nach dem Mastering etc. pp., aber dann kommt plötzlich doch mal wieder etwas Bewegung in die Sache, wer hätte das gedacht?

Ich spreche an dieser Stelle von Apple und seinem aktuellen Dokument über Mastered for iTunes: Music as the Artist and Sound Engineer Intended, welches man hier (hier deutsch) abrufen kann. Apple hat demnach erkannt, dass die wichtigsten Gründe für den Erfolg von iTunes, hierbei kann man ohne Umschweife vom aktuell größten Tonträger-Verkäufer ohne auch nur einem echten physikalischen Tonträger sprechen, die Musiklieferanten selbst sind, also die Producer, die Masterer, jene eben welche den Store mit Dateien befüllen - und diese gut klingen lassen. In dem von Apple bereit gestellten Dokument geht es nämlich weniger um Musiker an sich, sondern um die Produzenten (im handwerklichen Sinne) der Musik, jene, welche dafür Sorge tragen, dass eine MP3 oder eben ein Musikstück als Vinyl so klingt, wie es klingen soll.

Dabei geht Apple einen Schritt voran und bietet Unterstütztung, eben die bestmöglichen Ergebnisse erzielen zu können. Dazu bieten sie zum einen das Dokument mit weitreichenden Informationen, quasi als Handbuch, an, und zum anderen auch Software 1 die kostenlos herunter geladen und genutzt werden kann. Eben zum Mastern von digitaler Musik für den iTunes Store.

Es geht um Digitalien. Um ein überarbeitetes ACC als Masterfile.

“In den letzten Jahren hat sich die Qualität des digitalen Musikvertriebs erheblich verbessert und auch die Umsätze konnten in diesem Bereich wesentlich gesteigert werden. Hierbei kommt iTunes sicher eine Schlüsselrolle zu. Angesichts der Tatsache, dass mittlerweile mehr als 16 Mrd. AAC-kodierte Dateien heruntergeladen wurden, kann man AAC wohl mit Recht als neuen Standard für digitale Musik bezeichnen. Deswegen ist es auch durchaus sinnvoll, Master speziell für dieses Format zu erstellen.”

Der durchschnittliche Mensch hört mit 20 kHz, das Nyquist-Theorem besagt, dass man doppelt so hoch aufzeichen muss, um das Signal exakt darstellen zu können (also mit 40 kHz), als man hören kann. CDs können 44,1 kHz, reichen hierfür also aus. Deshalb ist die CD im digitalen Mastering, nein, bei der Bereitstellung von Digitalien meist auch das Maß aller Dinge. Weil man höhere Informationen eh nicht hören kann. Bis auf wenige Menschen vielleicht. Nun… Wen kümmern schon die Audiophile? Aber so einfach ist das nicht, es geht nicht nur um die, denn…

…demnach

“[…] sind viele Experten davon überzeugt, dass die Verwendung von höher auflösenden PCM-Dateien während der Produktion eine höhere Audioqualität des Endprodukts und damit auch ein deutlich verbessertes Klangerlebnis ermöglicht. Aus diesem Grund hat sich die 96/24- Auflösung rasch zu einem Standardformat in der Branche entwickelt und auch noch höhere Auflösungen wie z. B. 192/24 sind durchaus gängig.”

Apple unterstützte dies bei der Weiterkodierung von Masterfiles im in den iTunes-Store eingereichten Daten bisher nicht, sondern verlangte von seinen Zulieferern immer nur Masterfiles im 44/16 Format haben, was eben jener vorher besprochenen CD entspricht. Nur.

Doch damit ist nun Schluss: denn die digitalen Musik-Store-Firmen, oder vielmehr deren Vertriebswege, sorgen dafür, dass bei der Kodierung aus dem Masterfile beim Anbieter weniger qualitativer Ton zurück bleibt, was mit höher aufgelösten Ursprungsdateien aber hääte verhindert werden können. Ergo wird Apple nun (abermals) Voreiter 2 spielen und eben jene sinnhaften weil höher aufgelösten Files fordern - für die Qualität. Löblich finde ich es wohl, kann man dadurch wirklich hochwertige Musik kaufen - und nicht einfach nur MP3s für den Walkman.

Die Problematik der schlechten Qualität bei der Rekodierung wird durch Downsampling sowie Dithering hervorgerufen. Bei Ersterem entsteht als Resultat häufig Dithering, wenn die Sample-Rate veringert wird, beispielsweise von 96 auf 44,1 kHz. Von Zweitgenanntem spricht man hingegen, wenn die Bit-Tiefe (CD hat 16 Bit) veringert wird, eventuell von 24 auf 16 Bit. “Es wird dabei versucht, den Umfang der durch den Vorgang entstehenden Verzerrungen zu verringern. Dithering stellt einen Kompromiss dar: Die Verzerrungen werden zwar reduziert, doch dafür entsteht zusätzliches Rauschen. (Eine weitere Form der Verringerung der Bit-Tiefe ist das so genannte Truncating, bei dem überzählige Bits einfach entfernt werden. Hierdurch können jedoch Quantisierungsverzerrungen entstehen.)”

Apple hat nun sein AAC-Format überarbeitet und wünscht sich hochauflösende Dateien, damit die oben beschriebenen Probleme nicht mehr auftauchen. Sehr gut finden wir das. Das ideale Master hat also für Apple eine 24-Bit-Auflösung bei einer Sample-Rate von 96 kHz. Solche Dateien enthalten mehr Details und können von unseren Encodern mit größter Präzision codiert werden. Allerdings profitieren auch andere Auflösungen, die höher sind als 16 Bit/44,1 kHz, von unseren Kodierprozessen; dies gilt auch für Sample-Raten von 48, 88.2, 96 und 192 kHz.

Ob das nun gut ist und so, das kann ich kaum beurteilen, bezogen auf diese eben beschriebenen Änderungen und Neuerungen hin zu hochauflösenden Dateien jedoch haben sich bereits echte Master-Könige aus echten Studios zu Wort gemeldet und vermerkt, dass sie sehr zufrieden mit dieser Wendung sind und erstmal tatsächlich positiv davon zu berichten wissen - was einem Ritterschlag gleicht, denn Masterer sind Könige. Dies erschließt sich zuletzt jedem, wenn man beispielsweise folgende Informationen berücksichtigt: “Bei der Erstellung eines Masters berücksichtigt der zuständige Tontechniker die Eigenschaften und Beschränkungen des Mediums oder Zielformats ebenso wie die für das vorgesehene Publikum typischen Hörumgebungen. Beispielsweise wird ein Master für Vinyl eher nicht im Auto oder Flugzeug abgespielt werden. Deswegen erfolgt das Mastering solcher Songs häufig für Wiedergabeumgebungen, in denen der Hörer die erweiterte Dynamik wahrnehmen kann und auch zu schätzen weiß. Ebenso sollte auch beim Mastering eines Clubtracks der Lärm der vorgesehenen Wiedergabeumgebung einbezogen werden.”

Sie sehen, es ist nicht so trivial wie wir dachten, aber es bewegt sich etwas, es bewegt sich hin zu einem höheren Verständnis für Soundqualität und Apple scheint tatsächlich als erster Major ernsthaft erkannt zu haben, dass all die Rereleases die schnell nur der Kommerzwelle aufgesprungen (Beispielsweise die Veröffentlichungswelle alter Tonträger auf CD, als diese damals die Welt erblickte: die Qualität war grausam) einem totalen Müll entsprachen, der jetzt wieder gerade gerückt wird.

Es bleibt spannend…

Ressourcen

Links

Software

  • Au-Lab: Apple’s free digital audio mixing application, AU Lab, can be used as a host application for Audio Unit effects, including AURoundTripAAC Audio Unit, one of the new Mastered for iTunes tools. If you don’t already have Logic or another Audio Unit host application, download AU Lab to get started with auditioning your audio, detecting peaks and clipping, and performing double-blind listening tests.
  • Mastering Tools: To hear how music will sound after it’s encoded to make important creative choices during the mastering process, download these tools. The Mastered for iTunes droplet is a simple, standalone drag-and-drop tool that automates the creation of iTunes Plus format masters, allowing for a preview of songs using the same world-class technology used to encode the entire catalog for the iTunes Library.

  1. Die Software “AU-Lab” und “Mastering Tools” finden sie verlinkt zum Download im Bereich Ressourcen.

  2. Apple bekam Anfang der 2000er-Jahre bereits einen Grammy, den Oscar der Musikbranche, für ihre technischen Leistungen (wahrscheinlich bezüglich iTunes) [Quelle].

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