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Draußen saß er. Draußen auf seinem Balkon. Dem schönen neuen Balkon der da seinen Ruhepohl verkörpert. Diese neue Wohnung in dieser fremden Stadt in welche er erst vor kurzem gezogen war. Er saß da also. Erst gestern hatte er den uralten Ledersessel hoch getragen. Er passte großartig auf diesen Balkon. Er war einer der bequemsten Sessel der Welt. Das zumindest war in diesem Moment das Novum dieses brütend heißen Sommertages. Vorsommertages vielmehr. Eigentlich waren die Temperaturen nämlich viel zu warm für diese Jahreszeit. Die Arbeit für diesen Tag war erledigt. Er dachte nach. Im Ofen in der kleinen, aber gemütlichen Küche lag etwas Industrielles. Er wollte nicht weiter darüber nachdenken, war Essen doch gerade wieder mal nur ein Muß, war Essen doch einfach nur notwendig für ihn. Solche Anwandlungen hatte er öfter. Man musste ihn in Ruhe lassen, Essen machte auch Spaß. Er vergaß es alsbald. Er dachte nach. Er überlegte sich wieso diese Sonnenstrahlen in dieser Stadt mit all Ihrem urbanen Lebensgewohnheiten so unwahrscheinlich gut sein konnten. Er überlegte sich ein Leben in ewiger Sonne. Schon stapft er durch dieses karge Ödland. Überall leblose Überreste einer Welt die er nicht mehr kannte. Einer Welt, in der es Flüsse gab und Tiere, einer Welt… Da riss es ihn aus seinen Gedanken. Er zündete sich eine Zigarette an und beobachtete wie der erste Teil von Ihr langsam entfloh. Wie er den Rauch inhalierte. Er führte sie ganz behutsam zu seinen Lippen um zu kontrollieren, ob es beim anspitzen des Mundes vielleicht Fältchen gab? Lippenfältchen? Nein, das sind keine Lippenfältchen, es sind vielmehr die Fältchen um den Mund herum, seitlich der Lippen und etwas oberhalb. Es sind die markante Fältchen eines jahrelangen Rauchers. Sein Blick schweifte in die Ferne. Er mochte das Vogelzwitschern welches da unaufhörlich das Leben verkündete, doch manchmal störte es auch. Zum Beispiel wenn er ernsthaft versuchte sich zu konzentrieren. Konzentration war sowieso nicht seine Sache. Entweder war die Welt viel zu langweilig und er zu abbgeklärt, wusste von allem und nichts konnte ihn schocken. Oder aber es passierte viel zu viel und diese Menschen waren so interessant, zu interessant als das er sich nicht mit nur einer Sache beschäftigen konnte sondern in dreien und mehr versank. Ihm fiel das letzte Wochenende wieder ein. Viel zu schnell war es vergangen. Klar, wie immer. Wieso ist das Wochenende nicht so lang wie diie Woche, hörte er sich seine Mutter fragen, als vierjähriger. Er dachte an die Frauen. Mädchen, Girls. Du und dein Mädchen, hörte er jemanden sagen. Er dachte an die vertrackten Geschichten einander seltsam zugewanter Seelen. Viel zu gut eigentlich. Doch manchmal auch so seltsam. So verrückt. Er fragte sich wer seine Gedanken lesen könnte. Und ob das Dinge einfacher machen würde. Unausgesprochen alles zu sagen, unausgesprochen alles zu wissen. Wirklich zu fühlen, nicht nur zu ahnen. Würde es keine Misverständnisse mehr geben? Der Gedanke war zu schwer, er brannte sich noch eine Zigarette an. Diesmal beobachtete er sie nicht. Er beschloss sich einen Schuss zu setzen. Es war ein guter Augenblick, jetzt. Der Gürtel war bereits fest um seinen Arm geschnürt. Das musste er tun um die Venen besser treffen zu können. Er ging zurück in seine Wohnung, weg von diesem Balkon. Disclaimer: Dies spiegelt keine autobiografische Geschichte wieder

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