Fetzen einer Geschichte 3 - Maschinen Stahl Musik

Sie arbeitet. Alles bestens. Er freut sich als er die Bildschirme kontrolliert und die Frequenzen neu berechnet. Alle Vitalfunktionen sind perfekt. Im Hintergrund hört er das monotone Pumpen der Lebenserhaltungsmaschinen. Daran angeschlossen sind die Schlafindikatoren, auch sie verrichten klaglos Ihren Dienst. Sie sind das Wichtigste nach den Stromsystemen. Sie sorgen dafür das den Mitarbeitern jener großen Firma -in der er mittlerweile seit 83 Jahren täglich seinen Dienst verrichtet- ausreichende Schlafrationen verabreicht werden. In kürzester Zeit fühlt man sich als hätte man ein sonniges Wochenende an einem Strand verbracht. Das ganze dauert in Real-Punkt-Zeit nur wenige Stunden. Kleine Körper sind nach 2 Stunden, größere nach 3en wieder vollkommen Einsatzfähig. Es ist der Weg der nun schon 150 Jahre gegangen wird. Keiner weiß mehr wie es früher einmal war. Damals, als es Sonnenlicht gab, echte Liebe und freien Willen. Niemand, selbst die Alten, die vor der Unterjochung noch sehr weit geachtet waren, können sich erinnern. Nur manchmal, im Traum, da tauchen plötzlich Fetzen aus der alten Welt wieder auf. Gedankenfetzen von Freizeit, Lebenslust, Optimismus. Aber nach dem Aufwecken ist alles wieder wie weg gespühlt. Die Maschinen kümmern sich um so was. Sobald erhöhte Hirnaktivität erkannt wird injizieren Sie Corbanol, direkt ins Gehirn, Gedanken, Träume und Gefühle werden ausgeschaltet. Es ist notwendig wenn sie funktionieren sollen. Es klackt. Das Gestellt klackt immer kurz vor dem Erwachen. Horst hat in seiner Kommandantur die Mitarbeiter getauscht, hat auf seinem Schirm P23 und P48 versetzt. Jan ist P23 und es bedeutet das er nun als nächster an der Reihe ist. Das Gestell fährt herum. Aus der liegenden Position wird Jan in die Senkrechte versetzt. Er ist am Aufwachen. Er hat Kopfschmerzen, wie immer. Ein Nachteil dieser Erholungskur in den 3 Stunden Schlaf, der Körper kann es einfach nicht verarbeiten. Evolutionstechnisch ist es noch nicht verarbeitbar. Aber auch das Problem sollte bald gelöst sein, The Company ™ ist bereits am Erforschen einer neuen Möglichkeit, so das auch dieser Prozess bald völlig schmerzfrei und mechanisch, ohne jede Belastung ablaufen kann. Der Boden öffnet sich, Jan ist nun hell wach. Er fährt in einem Gestell zu seinem Arbeitsplatz. Er sitzt, die Hände sind bereits mit den Kontrollern verbunden und er spürt das er lebt. Kurzeitig. Denn jetzt fährt der Arm der Weisen an seinen Nacken heran. Der Arm der Weisen hat seinen Namen durch seine Möglichkeiten bekommen. Er ist mit ca. 42 Mikroprozessoren besetzt, arbeitet schon sehr lange Zeit auf einer neuronalen Ebene und wird direkt an die Schnittstelle im Körper des Probanden -wofür er zu Anfangs hauptsächlich verwendet worden ist, für Versuche an Menschen-, zumeist im Hals, eingeklinkt. Der große Vorteil ist die Steuerbarkeit des Probanden und die durch seine Neuronalität direkt mit dem Hirn verbundene Möglichkeit, Teile zu ändern, zu steuern oder zu deaktivieren. Deshalb ist es den Mitarbeiten von The Company auch nur in solchen Momenten, also vor dem Arm der Weisen und nach dem Aufwachen, in dieser kurzen Zeitspanne möglich, am Leben zu sein, zu erkennen das Sie Mensch sind. Klaustrophobie in allen Synapsen. Jan wird regelmäßig von panischen Attacken, manischer Depression, allem Menschlichen eben, durchtrieben. Doch nur ca. 35 Sekunden denn dann arbeitet die Schnittstelle. Teile des Hirns wie zum Beispiel das selbstständige Denken, Handeln und Sein werden auf ca. 0,02 Prozent herunter gefahren und der restliche Teil, eben jener der die monotonen Handbewegungen, jene für die Arbeit wichtigen Funktionen wichtig ist, auf ein Maximum getrimmt. Jan nimmt mechanisch seine Arbeit auf. Da ist der erste Incoming Call. Jan ist ein Stück Support, er ist im größten Hilfs-Cubus der Erde gefangen, allen Lebenswillen beraubt verrichtet er seit 58 Jahren seine Arbeit. Der Stahl um Ihn herum wird als völlig normal hingenommen. Er kennt nichts anderes. Das monotone Dröhnen der Maschinen, das kalte, fuselnde Licht der Gänge, all das ist sein Leben, er kennt nichts anderes. Er nimmt es nicht einmal war. In diesem Teil seines Bewusstseins ist es die Maschine, dieser unwahrscheinlich große Zentralcomputer, der die Kontrolle besitzt. Es ist völlig normal. Für alle der 6151 Mitarbeiter. Täglich aufs Neue. Und immer wieder gleich. Mechanische Präzision eines Uhrwerks. Jan ist in dieser Umgebung geboren worden. Er weiß nichts von einem Leben mit Sonnenlicht, von reiner Luft, Natur, Lebenskreislauf in echter Form. All das existiert nur noch in den Gedanken von Achim. Achim ist P78. Viele der „Bewohner" von Support-Cubus-12 haben nicht einmal mehr richtige Namen, Sie sind auf Ihre Nummer degradiert. The Company hat ein ausgeklügeltes System der Nummernvergabe eingeführt. Damals, als die großen Unruhen besiegt waren. Unruhen der Mitarbeiter. P steht für plausibel, es ist die Einstufung jener Bewohner, die noch zu viel Ihres Geistes benutzen. Jene Bewohner die noch zu oft selbst denken, denen die kurzen Augenblicke des Tages ausreichen um eigene Gedanken zu entwickeln. P’s sind gefährlich, gefährlich für die Administration von Support-Cubus-12. […] …

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