Fetzen einer Geschichte 2


Eine SMS von ihr. Es zerreißt ihn. Wie oft hatte er das schon gespürt? Wie oft ist das schon passiert? Jedes mal wehrte er sich. Immer wieder kämpfte er gegen seine Gefühle an. Ignorierte es. Dachte nicht darüber nach. Und wie oft beschlich es sein Unterbewusst sein? Wie oft kroch es ganz langsam nach oben? Wie oft dachte er daran ein Messer zu nehmen, es ganz langsam am Arm entlang zu führen, ganz langsam diese Haut zu zerschneiden, diese Haut die er nun seit 43 Jahren kannte. Er wünschte es so. Vielleicht hoffte er, den Schmerz heraus lassen zu können. Wie bei dieser Krankheit von Gruftis. Wie hieß die doch gleich? Boarderlining. Genau, das wollte er. Den Schmerz den er nicht verarbeiten konnte einfach heraus lassen. Eine andere Art zu schreien. Er war betrunken. Er kam von einer Party, hatte viel spaß gehabt, sich mit diversen Frauen unterhalten, teilweise recht interessante Gespräche geführt, sogar eine Telefonnummer ergattert. Kein schlechter Schnitt. Doch was bedeutet das alles, fragte er sich, wie viel ist das alles wert wenn eine SMS sein gesamtes Gebilde, sein Weltbild, seine Abkapslung von alle dem zerstören kann? Er war zerschmettert. Er sank in das uralte gelbe Ledersofa am Ende des Zimmers. Die Kerzen brannten noch und er dachte nach. Er hielt ein Martini-Glas in der Hand, es hatte Schräglage, er war zu betrunken um es noch gerade halten zu können. So viele lange Jahre hatte er schon nichts mehr von Ihr gehört. So viele Jahre lang versuchte er Sie zu vergessen. Und nun, plötzlich aus dem Nichts kommend, eine Nachricht. Direkt von Ihr. Direkt in sein Herz. Er wollte es abstreifen, aber es ging nicht. Er kämpfte dagegen an so wie er es damals auch getan hatte. Er ging einfach. Es war nicht mehr zu retten, damals, und er ging. Und es katapultierte. Er befand sich in den Gedanken und Gefühlen von früher. In einem Strudel aus Reden, Fühlen und Schreien. Doch er konnte nicht entfliehen. Doch heute, dieses eine Mal wenigstens, wollte er Frieden. Er wollte ohne diese Gefühle versinken. In einem Meer aus Nichts. Warum nur tat Sie das? Wusste Sie wie sehr es Ihn schmerzte? Sie konnte es nicht wissen. Er ließ sich auf nichts Neues ein… konnte nicht vergessen… Hing an Ihr, an den Gedanken, an dem gemeinsamen Damals. […]

[…] er fiel ins Koma, neben Ihm ein Glas Martini… und starb drei Tage später ohne jemals wieder das Bewusstsein erlangt zu haben, er erlag einer Überdosis Heroin […]

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