Fetzen einer Geschichte

“Verdammt!”, schrie Sie. Doch er konnte es nicht mehr hören. Er war bereits durch die alte Holztür nach draußen und das Treppenhaus herunter gestürzt. Scheiße, dachte er, denn er hat sich den Arm geprellt. Die soll mich in Ruhe lassen. Immer nur will Sie meinen Körper, wollte mir am Ende sogar Geld bezahlen. Unglaublich. Diese Frauen, dachte er, diese Frau sind einfach nur der Wahnsinn. Ihre Beziehung bestand aus reinem, wilden, gefühllosen Sex. Das dachte er zumindest. Er dachte es könne ewig so weiter gehen, es würd keine Blessuren geben. Man würde sich einfach treffen, ballern, kurz in der Belanglosigkeit versinken und wieder verschwinden. Doch weit gefehlt. Er hatte es in den letzten Tage bereits gemerkt. Langsam stieg dieses Gefühl auf. Dieses Gefühl mehr von Ihr haben zu wollen. Nicht nur diesen Körper, nein, auch Ihre Gedanken, Ihre Gefühle, Ihre Wünsche, alles. Und nun dieser prompte Abbruch. Er hatte lange überlegt wie er mit Ihr darüber sprechen konnte. Doch er fand keinen Weg. Wie er es drehte und wendete, er wusste genau Sie würde sofort auf die Abmachung pochen. Keine Liebe, nur Fleischeslust. Sie sprach immer so seltsam. Und er war verquer. Also gab es diesmal keinen Sex. Nicht an diesem Morgen. Er kam gegen 6 Uhr von einer WG-Party. Er wollte eigentlich in die UNI, verlor sich aber ob des Alkohols und des Pure Mornings wegen in Schwermut und ging zu Ihr. Und redete. Und versuchte es zu erklären. Sprach viel durcheinander, klammerte an Gedanken, hatte all die Sätze so plausibel und wirklich zusammengefügt als das sie eigentlich nur zustimmen konnte. Sie musste Ihn einfach verstehen. Sie konnte diese Wahrheit gar nicht anders verarbeiten als Ihn zu lieben… Doch als er Ihr gegenüber stand, Ihr in die Augen blickte, anfing zu reden, da war alles weg. Nur Satzfetzen ohne Sinn für Sie, aber mit viel Gefühl für Ihn. Sie wollte es nicht verstehen. Blicke auf den Boden. Ein klaustrophobisches Gefühl in dieser Wohnung, er bekam keine Luft mehr. Er wurde wild, schrie, aber Sie hörte ihn nicht… Er würde Sie nie wieder sehen, niemals mehr würde er Ihre schwarzen Haare aus dem Gesicht streichen, würde er Sie berühren. Tränen rollten über seine Wangen, er verstarb irgendwann in den frühen Morgenstunden auf einer Landstraße in Deutschland. […]

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